Vom Anbau zur Rösterei: Die lange Reise des Rohkaffees
Jede Tüte Warawul-Kaffee hat schon Tausende Kilometer zurückgelegt, bevor sie in unserer Rösterei in Berlin ankommt. Wir zeigen, was zwischen Ernte und Ankunft wirklich passiert: Cupping, Verträge, Verpackung, Monate auf See und der Lkw, der den Rohkaffee schließlich zu uns bringt.
Wenn du eine frische Tüte Gitesi Peaberry oder La Colmena öffnest, hältst du den Endpunkt einer Reise in der Hand, die Monate zuvor auf einer Farm Tausende Kilometer entfernt begonnen hat. Zwischen dem Moment, in dem eine Kaffeekirsche gepflückt wird, und dem Moment, in dem wir Rohkaffee in unseren Röster in Berlin füllen, passiert eine Menge: Trocknen, Cupping, Verträge und mehrere Wochen auf See. Wir wollten einmal zeigen, wie diese Reise wirklich aussieht – anhand unserer eigenen, echten Lieferungen, nicht anhand eines generischen Beispiels.
1. Es beginnt auf der Farm

Aimé Gahizi von Gitesi Coffee inspiziert den Kaffee auf dem Trockenbett. April 2024.
Die meisten Kaffeekirschen werden von Hand gepflückt, über einen Erntezeitraum von meist zwei bis drei Monaten, je nach Ursprungsland. Nach der Ernte werden die Kaffeekirschen verarbeitet in dem das Fruchtfleisch und die Pektinschicht entfernt wird – als Washed, Natural oder Honey, je nach Methode des Produzenten – und die Bohnen auf etwa 11–12 % Feuchtigkeit getrocknet. Zu dem Zeitpunkt sind sie noch eingehüllt in ihre Pergamenthaut. Diese Pergamenthaut bleibt fast bis zum Export bestehen: Sie schützt die Aromastoffe in der Bohne, damit der Kaffee seine Frische behält.
Hier beginnt auch die Beziehung. Kaffees wie unsere Gitesi-Lots stammen von Aimé Dusabe Gahizi und der Gitesi Coffee Washing Station in Ruanda, wo Kaffeekirschen vieler benachbarter Kleinanbauenden gemeinsam verarbeitet werden. Andere, wie La Colmena, stammen von der monKaaba Initiative, einem produzentengeführten Zusammenschluss von Kleinanbauenden in San Agustín, Huila, Kolumbien. El Rodeo Castillo kommt direkt von der eigenen Farm der Familie Reyes in Curití, Santander. Jede Struktur ist anders, und jede verändert, mit wem wir tatsächlich verhandeln.
2. Direkte Beziehungen statt anonymer Exporteur:innen
Es gibt nicht den einen Weg, wie Kaffee eine Farm verlässt. Manche Produzent:innen, wie die Familie Reyes oder die Kaffees von Moisés Hidardo Hernández und Rosy Dariela Mancía (CAFESMO in Honduras), sind etabliert genug, um die Exportlogistik selbst oder über die sehr gut organisierte Kooperative abzuwickeln. Andere arbeiten über eine Produzenteninitiative wie monKaaba, die im Namen ihrer Mitgliedsbetriebe verhandelt und den Versand über Semilla Coffee koordiniert. In Ruanda übernimmt Gitesi Coffee selbst dies Rolle.

Anabel und Diever Galindez, dem Produzenten von Las Juntas
Was all das bei Warawul gemeinsam hat: Wir kaufen langfristig auf Basis direkter Beziehungen, mit einem namentlich genannten Produzenten oder einer Produzentengruppe für jedes Lot. Wer genau deinen Kaffee angebaut hat, siehst du in unserem Transparenzbericht. Und du hörst bei uns von vielen Produzierenden selbst, wie sie den Kaffee angebaut haben.
3. Die Logistik
Sobald die Ernte angelaufen ist, sprechen wir mit den Produzierenden, über die Kaffees, die sie in dieser Ernte haben werden und wie viel wir davon abnehmen können. Von den angebotenen Microlots bekommen wir auch Samples. Diese rösten wir in unserem Probenröster und verkosten sie.
Im nächsten Schritt verständigen wir uns auf die Mengen und die Produzierenden nennen uns die Preise. Da wir noch relativ klein sind, können wir noch keine eigenen Container beauftragen. Deshalb nutzen wir Sammelcontainer von Algrano.
Algrano bietet an, dass Röstereien und Produzierende, die direkte Beziehungen haben und den Kauf direkt machen, ihre Logistik mit Algrano abwickeln können. Dazu kann man seine vertraglich vereinbarte Menge in Container unterbringen, die Algrano dann verschifft. Durch diese geteilte Logistik, ist es auch für kleine Röstereien möglich Kaffee direkt bei den Produzierenden zu beziehen.
4. Verpackung für eine monatelange Reise
Rohkaffee reist nicht gut, wenn er nicht richtig verpackt ist. Klassische Jutesäcke (meist 60–70 kg) sind atmungsaktiv, bieten aber wenig Schutz gegen Feuchtigkeitsschwankungen auf einer langen Seereise. Deshalb reisen die meisten unserer Lots heute in versiegelten GrainPro Säcken innerhalb der Jutesäcke – das verhindert, dass die Bohnen Feuchtigkeit aufnehmen oder die Feuchtigkeit verlieren, die sie brauchen, um stabil zu bleiben.
Ein kleiner Plastikaufwand für einen viel größeren Gewinn: einen Kaffee, der in Berlin genauso schmeckt wie beim Cupping im Anbauland. Teure Microlots werden zudem vakuumverpackt, um die Aromen bestmöglich zu erhalten.

5. Wochen auf See (und gelegentliche Wendungen)
Vom Herkunftshafen aus reist der Kaffee per Containerschiff – bei unseren Mengen gibt es keine schnellere Option, die sich lohnt. Der Seetransport dauert - von der Vertragsunterschrift bis zur Ankunft im deutschen Lager haben unsere jüngeren Lots meist drei bis fünf Monate insgesamt gebraucht – diese Zahl umfasst Trocknung und Vorbereitung am Ursprungsort, nicht nur die Seereise selbst, die von Tür zu Tür eher bei vier Wochen liegt, sobald ein Container tatsächlich abgelegt hat. Die Ausnahme dabei sind Äthiopien und Ruanda. Hier muss der Kaffee erst über den Landweg in den Hafen von Mombasa oder Djibouti gebracht werden. Durch diesen Transfer in ein Zwischenland dauert die Verschiffung alleine meist 3-4 Monate.
6. Ankunft: Lager, Freigabe, Röstung
Der Kaffee wandert nicht direkt vom Hafen in Bremen oder Hamburg in unseren Röster. Er lagert zunächst im Großlager bis wir bereit sind, ihn zu rösten. Wenn wir Bohnen brauchen, planen wir eine Lagerfreigabe: eine bestimmte Anzahl Säcke aus bestimmten Lots wird aus dem Lager geholt und zu unserer Rösterei in Berlin gebracht. Die auf Kaffeelagerung spezialisierten Lagerhäuser von B. Vollers in Bremen und Schwarze & Consort in Hamburg sind für uns günstiger und für eine lngere Lagerung besser geeignet als das Lager in der Rösterei.

Warum sich die lange Kette lohnt
Es wäre einfacher – und billiger –, anonymen, vorgemischten Rohkaffee von einer Spot-Liste zu kaufen. Wir tun das nicht, weil es beim Spezialitätenkaffee genau darum geht, eine Tasse bis zu einer bestimmten Farm, einer bestimmten Ernte zurückzuverfolgen.
Die Idee von Warawul ist es, den Menschen eine Plattform zu geben, die den Kaffee angebaut haben. Denn ihre Arbeit macht den Kaffee zu Specialty Coffee.
In kaum einem anderen Produkt ist die Lieferkette so lang, das Endprodukt aber vollständig von der Arbeit am Ursprung der Lieferkette abhängig. Warawul Kaffee ist damit genauso das Produkt der jeweiligen Produzierenden.
Wenn du das nächste Mal eine Tasse Gitesi Gold oder El Rodeo Classic aufbrühst, schmeckst du das Ergebnis einer Reise, die Monate gedauert, einen Ozean überquert und Dutzende Menschen unterwegs einbezogen hat. Wir finden, das ist es wert, zu wissen.

Neugierig, welche Preise wir tatsächlich an Produzent:innen zahlen? Lies unseren Transparenzbericht. Und wenn du die Menschen hinter dem Kaffee kennenlernen möchtest, schau dir unsere Besuche bei der Gitesi Coffee Washing Station und der monKaaba Produzentengruppe an.